Trollhätte-Kanal und Göteborg

Mo., 04.09.2017
Mehr als unfreundliches Wetter erwartet uns beim Erwachen, nix von Sonnenstrahlen in den Kojenfenstern😔. Nass, kalt und windig, man könnte meinen, die Schotten haben uns ihr Wetter dagelassen. Also umdrehen und noch ein Stündchen träumen. Passend zum Wetter gibt es zur Mittagszeit mal wieder ein englisches Frühstück. Zwei deutsche Segelboote, die uns auf unserem Törn schon mal über den Weg gelaufen sind, haben sich auf den Weg durch den Trollhätte-Kanal gemacht, während wir uns in der etwas schlichten und tristen Stadt Vänersborg umsehen. Die einst als „Klein Paris“ besungene Stadt wurde 1644 gegründete und planmäßig in Quadrate eingeteilt. Das Gefühl in „Klein Paris“ zu sein, kommt bei uns nicht auf😕. Die Gegend um Vänersborg gilt als die elchreichste der Welt und ist seit dem 16. Jahrhundert königliches Jagdrevier. Wir haben Elche bislang nur auf Postkarten gesehen😉. Nach der Hunderunde verkriechen wir uns unter Deck und nutzen die Zeit zur Pflege der Internetseite😊.

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Di., 05.09.2017
Heute hat Denise Geburtstag. Von hier aus ❤️-lichen Glückwunsch 🍄☘️🎂.

Über Nacht hat es aufgehört zu regnen, so dass wir die Kuchenbude wieder trocken in der vorderen Koje verstauen können😊. Die Umgebung bildet ein Einheitsgrau aus Wasser und Wolken. Wir entsorgen den Müll, hinterlegen noch eine Karte auf der Aequitas und füllen unseren vorderen Wassertank, bevor wir die Leinen als einziger Gastlieger im Gästehafen von Vänersborg lösen. Unsere Fahrt geht über den Vassbotten durch den Karls Grav zum Trollhätte-Kanal, der meist dem natürlichen Flussbett des Flusses Göta Älv folgt. Weitere 10 Brücken und 6 Schleusen liegen vor uns, bis wir wieder im Kattegat rauskommen werden. Heute soll es nur die 8sm bis nach Trollhättan vor die nächsten Schleusen gehen, d.h., wir haben laut Kanalführer zwei Klappbrücken, eine feste Brücke, eine Schleuse und eine Eisenbahnhubbrücke zu passieren, bevor wir im Gästehafen von Åkerssjö festmachen können. Wir sind leicht irritiert, als plötzlich eine weitere nagelneue Klappbrücke auftaucht, die noch nicht in der Karte erfasst wurde, und ohne Aufforderung für uns öffnet🙃. Der kleine Hafen vor der alten Schleusentreppe ist mit „Dauerliegern“ belegt, somit legen wir uns einfach an den Wartesteg für Sportboote, ohne alles, das spart😊.
Die 32m hohen Wasserfälle, die einst Mühlen und Sägewerke angetrieben haben, und heute ein Wasserwerk betreiben, bleiben für uns verborgen, da man sie nur in den 8 Wochen in der Saison, oder am Wochenende, besichtigen kann. Das Kanalmuseum können wir ebenfalls nur von außen betrachten. Als Alternative machen wir einen Rundgang zu den alten Schleusenanlagen von 1800 und 1844, und werfen ebenfalls einen Blick in die vier neuen Schleusen. Oberhalb der Schleusentreppe steht ein hölzerner Uhrenturm. Am Nachmittag setzt Nieselregen ein, der uns auf die Couch zum Lesen treibt. Beim Anbraten der Rinderfilets deutet sich das nahende Ende der Gasflaschenfüllung an. Mal sehen, ob es morgen früh noch für einen Wasserkessel reicht.
Da wir direkt vor der Schleuseneinfahrt festgemacht haben, dringen gelegentlich Schraubenge-räusche von aufstoppenden Schiffen ins Innere der Maxima.

Mi., 06.09.2017
Das Wetter entspricht leider der Vorhersage für die nächsten Tage, nass, grau und Regen😔. Egal, wozu haben wir denn die Trockenanzüge mitgenommen, wenn nicht für Tage wie diese. Um zu einer Tasse Kaffee zu kommen, müssen wir den Generator bemühen, denn keiner hat Bock vorm Frühstück die Gasflasche im Regen zu wechseln. Gut gegen die Feuchtigkeit verpackt erkundigen wir uns über UKW Kanal 9 nach dem nächsten Schleusengang bergab. Die Antwort, dass wir sofort einlaufen können, erfreut uns, und somit starten wir den Motor und lösen die Leinen. Auch in diesen vier Schleusen, riesige Löcher, wenn man die Proportion unserer Yacht zu Grunde legt, werden wir wieder mutterseelenallein geschleust😊. Auf den folgenden 10sm bis Lilla Edet kommen uns doch sage und schreibe 4 Schiffe entgegen! 2kn Strom sind mit uns. Der Gasthafen bzw. die Gästeplätze von Lilla Edet innerhalb des Leitwerks, d.h., zwischen Kanal und Kraftwerk, liegt direkt links vor der nächsten und letzten Schleusenkammer des Trollhätte-Kanals. Man meint es gut mit uns, das Schleusensignal steht auf Vorbereitung, und das Tor öffnet sich, als wir unmittelbar vor der Schleusenkammer nach links in den vermeintlichen Hafen einbiegen. Bis auf die wehenden Gastflaggen spricht nicht viel für einen Hafen. Wir sehen weder Stromkästen noch irgendein Servicegebäude. Wird wohl ebenfalls ne billige Nacht😉. Bevor wir uns trocken legen und unter Deck verschwinden, tauschen wir noch kurz die Gasflasche. Gegenüber unserem Liegeplatz soll sich die Ruine des Ströms Slott befinden. Zu einer Hunderunde können wir uns jedoch bei dem Dauerregen nicht aufraffen und folgen dem ersten Teil des Sprichwortes „ Nach dem Essen sollst Du ruh’n, oder tausend Schritte tun“. Es ist voll gemütlich unter Deck, die Heizung läuft, der Regen prasselt gleichmäßig auf das Deck und der Rotwein schimmert dunkelrot in den Gläsern. Irgendwann wechseln wir von der Couch in die Koje und lauschen mal wieder den Schraubengeräuschen eines Frachters, der neben uns in die Schleuse einläuft😊.

Do., 07.09.2017
Es liegt immer noch eine dunkle Wolkendecke über uns. Seit halb zehn fallen keine Tropfen mehr aus den Wolken👍 und es soll tagsüber trocken bleiben. Trotzdem entschließen wir uns für das Ganzkörperkondom und starten kurz nach 10Uhr die Maschine. Gerade als wir die Hafeneinfahrt verlassen öffnet die Schleuse und lässt zwei Boote frei. Somit steht unserem letzten Schleusengang nichts mehr im Wege und wir können sofort einlaufen und wieder einmal mutterseelenallein den Höhenunterschied von 6,4m hinter uns bringen. Mehr Glück kann man nicht haben😂. Kaum haben wir die Klappbrücke hinter der Schleuse passiert, lässt sich doch wirklich kurz die Sonne blicken. Unglaublich! Eine große Gänseschar fliegt über uns hinweg. So wie sie mit uns im Frühjahr gen Norden gezogen sind, sammeln sie sich nun für den Rückzug gen Süden😊. An Backbord passieren wir den Ort Lödöse, der im Mittelalter ein wichtiger Handelsplatz war, Schwedens Tor in den Westen. 1473 beschloss man die Stadt südlich von Bohus zu verlegen, da die Norweger Zollforderungen erhoben. „Nya Lödöse“ wurde Göteborg! Weiter südlich passieren wir Äskekärr, wo Schwedens größtes und best erhaltenes Wikingerschiff, das sogenannte Äskekärrskeppet, entdeckt wurde. Entlang unserer Strecke kommen wir an etlichen einsamen Bauernhöfen vorbei, wobei Martin spontan die Bemerkung „Bauer sucht Frau“ fallen lässt😂. Vor uns liegen jetzt noch 2 Klappbrücken, eine feste Brücke mit 47m Durchfahrtshöhe und zwei Eisenbahndrehbrücken, bevor wir in den Stadthafen von Göteborg, Lille Bommen, einlaufen können. Somit haben wir Schweden in 11 Tagen einmal quer durchfahren und befinden uns wieder vor unserem Heimatgewässer, dem Kattegat. Die Wasserstraße quer durch Schweden hat mit dem Tollhätte-Kanal und dem Göta Älv eine Gesamtlänge von 390km, die einen Höhenunterschied von 91,5m überwindet.
Die Wartezeit von gut 30 Minuten an der 🚃 -Drehbrücke nutzen wir, um uns aus den Trockenanzügen zu schälen. Nach dem Passieren sehen wir uns schon in ein paar Minuten im Stadthafen anlegen, aber weit gefehlt. Die Göta Älv Straßenbrücke, gute 500m vom Stadthafen entfernt, öffnet zwischen 15Uhr und 18Uhr nicht, d.h., wir müssen wirklich für knappe drei Stunden am Wartesteg ausharren😫. Schade, dass dies nicht in unserem Kanalführer erwähnt wurde. Also vertreiben wir uns die Zeit mit einem zweiten Mittagessen und ein paar Buchseiten und laufen anschließend mit verhaltenem Sonnenschein nach Lille Bommen ein😊. Als wir uns zum Hafenbüro aufmachen hat dies bereits geschlossen. Es ist zum Mäusemelken. Auf der Terrasse des angrenzenden Bistros mit Blick auf den Rahsegler Viking, der mittlerweile als Hotel und Restaurant umgebaut wurde, lassen wir uns das Bier schmecken, bevor wir zurück an Bord für die nächsten ungemütlichen Tage die Kuchenbude aufbauen.


Fr., 08.09.2017
Ein Tag für die Couch. Schon über Nacht hat es wieder angefangen zu regnen. Die Wettervorhersage für die kommende Woche ist ein Graus. Für die geplanten längeren Strecken können wir zwischen Regen und Gegenwind, Starkwind oder Regen und kein Wind wählen. Es sieht nach einem längeren Aufenthalt in Göteborg aus🙃. Die Hafengebühr konnten wir ebenfalls noch nicht loswerden, und erfahren über Telefon, dass der Hafenmeister wohl morgen im Büro sein wird. Irgendwann gegen Mittag setzt der Regen aus und wir begeben uns zu einer ersten Erkundungstour in die Stadt. In den 100-jährigen Salushallen gönnen wir uns einen ausgiebigen Snack aus Fischsuppe, Knäckebrot mit Butter und Käse, sowie Kuchen. Rechtzeitig vor dem nächsten Dauerregen sind wir wieder an Bord. Langsam wird die Auswahl an Lesestoff dürftig. Martin ist mittlerweile zu Hörbüchern übergegangen.


Sa., 09.09.2017
Es ist trocken und die Sonne lässt sich zeitweise blicken. Also machen wir uns nach dem „Frühstück“ auf in Richtung Liseberg, Skandinaviens größtem Freizeitpark. Im Touristenbüro treiben wir einen Stadtplan auf und laufen einige Sehenswürdigkeiten ab. Göteborg ist eine angenehme Stadt. Alles ist dicht beieinander und gut zu Fuß erreichbar. Das Angebot an Kneipen, Cafés und Restaurants ist gigantisch.
Beim Verlassen des Lisebergs setzt leichter Nieselregen ein und es wird ungemütlich. Zeit, um zur Maxima zurück zu kehren. Zu unserer Verwunderung steht die Tür vom Hafenmeisterbüro offen und wir können die Hafengebühren ohne App begleichen. Im Hafenbecken hat sich die Luna eingefunden. Anett schneit kurz vorbei und berichtet über die letzte Woche. Den Abend verbringen wir mit einem Buch in der Hand unter Deck.


So., 10.09.2017
Der Tag besteht aus einem Sonne-Wolkenmix. Die Temperaturen lassen zu wünschen übrig. Seit wir in Göteborg sind, ist es aus mit dem „kurze-Hose-Wetter“. An Bord läuft Brutus II im Dauereinsatz. Zum Mittag verlassen wir die Maxima für einen Bummel durch das Haga-Viertel, der Altstadt von Göteborg. Gegenüber der Saluhallen finden wir ein geeignetes Plätzchen zwischen Kissenbergen und genießen unseren Latte Macchiato. Nach einem Abstecher zur Feskekörka, der alten Fischhalle von 1874, deren äußeres Erscheinungsbild einer Kirche ähnelt, trollen wir uns zurück an Bord. Während die Waschmaschine läuft, vertreiben wir uns die Zeit auf der Couch mit Lesen. Uns steht der Sinn nach asiatischer Küche, und somit verlassen wir zur Abendbrotzeit unsere kleine Höhle und kehren beim Ching Palace ein. Essen gut, das Ambiente erinnert eher an ein Schnellrestaurant.


Mo., 11.09.2017
Sturm und Regen peitschen übers Deck. Gut, dass die Maxima von innen hohl ist👍.
Frühstück gibt es erst zur Mittagszeit. Um uns die Beine zu vertreten gehen wir in das überdachte Nordstan Shopping Center. Nach Kaffee und Kuchen im Espresso House und ein paar Mitbringseln im Gepäck, zieht es uns zurück an Bord. Spontan kommen Frank und Anett mit Kartenmaterial und Wetterbericht auf ne Dose Bier vorbei. Pläne und Ideen für die nächsten Tagesetappen werden ausgetauscht, jedoch, wenn nicht kurzfristig ein Wunder geschieht, steht unseren Wünschen der Wetterbericht im Weg. Wir schieben uns ne Portion Sushi zwischen die Kiemen und verbringen einen gemütlichen Abend bei Rotwein und Wodka unter Deck mit der Luna-Crew, während zur Abwechslung mal ein kurzes Gewitter über uns wegzieht.


Di., 12.09.2017
Die Sonne scheint aus allen Knopflöchern, eine steife Brise liegt über dem Hafen. Das perfekte Wetter, um sich vom Läppstiftet in 86m Höhe einen Überblick über Göteborg zu verschaffen. Also brechen wir nach dem Frühstück zur Fotosafari auf. Anschließend zieht es uns nochmal in die Stadt. Auf dem Kungsportsavenyn bleiben wir im Buenos Aires hängen, um uns das Lunchmenü zu genehmigen. Zurück an Bord finden wir einen Aufkleber an einem Festmacher vor, mit der Zahlungserinnerung der Hafengebühr. Wir begleichen das Hafengeld für die letzten zwei Tage über die App, schalten den Kühlschrank zum Abtauen aus, und begeben uns zum Einkaufen von Frischwaren in die Einkaufspassage. Wieder zurück an Bord fällt der Blick auf die Luke der Achterkabine. Sie stand den ganzen Tag über einen guten Spalt offen. Glück gehabt, die Koje ist trocken geblieben😊. Von dem ordentlichen Regenschauer haben wir in der Einkaufspassage nichts mitbekommen. Zu unserer Verwunderung hängt ein neuer Aufkleber neben dem ersten Aufkleber an der Reling, Hafengebühren bezahlt bis zum 14.September. Dankeschön, für den geschenkten Tag😂. Passt gut, falls wir wettertechnisch morgen doch nicht in die Schären aufbrechen sollten. Ein Happen Sushi, ein paar Buchseiten und ab gehts in die Koje.

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Mi., 13.09.2017
Wunschziel für heute war eigentlich Fotö im südwestlichen Schärengarten von Göteborg. Jedoch der Regenschauer, der sich beim Erwachen auf unsere Luke der Achterkabine ergießt, überzeugt nicht wirklich zum Aufbruch. Dicke Wolken hängen über dem Hafen und ein Südwest von bis zu 12m/s steht vorm Schärengarten. Zeit unter Deck klar Schiff zu machen, auf Winterbettwäsche zu wechseln und die Wassertanks zu füllen. Während sich noch eine Maschine Wäsche dreht, lassen wir uns das Frühstück schmecken. Der Alternativplan für heute zieht uns gegen Mittag in die Oper, wo wir noch zwei gute Karten im 1. Rang für die Abendaufführung „Kult“ ergattern. Während Martin den Nachmittag auf der Couch seinem Hörbuch lauscht, mache ich mich zur alten Fischhalle auf, um uns zwei Näpfe Fischsuppe für den morgigen Törn zu besorgen. Pünktlich um 18:20Uhr, unmittelbar nach der Brückenöffnung, läuft die Aequitas in den Hafen ein. Grek scheint früher als geplant aus Schottland eingeflogen zu sein, und hat sich einen Kumpel für den Überführungstörn mitgebracht. Viertel vor sieben betreten wir die Oper und sind gespannt, was uns erwartet. Das Publikum ist total gemischt, vom Freak bis zum Snob in jeder erdenklichen Altersstufe. Die erste 3/4 Stunde ist anstrengend. Man könnte es als Männeryoga bezeichnen, was eigentlich ganz witzig war, aber die völlig unmelodischen Klänge vom Orchester strapazieren unsere Gehörgänge. Das Publikum verabschiedet das Orchester zur Pause mit tosendem Applaus, wir halten uns dezent zurück😫. In der Pause verlassen einige wenige die Veranstaltung, hm. Nach einem Glas Rotwein kehren wir mutig auf unsere Plätze zurück, in der Hoffnung, dass uns die Frauenyogagruppe erspart bleibt. Die weitere Vorstellung ist witzig und gut, auch die Musik aus den Lautsprechern entspricht unserem Taktgefühl. Es hat sich gelohnt zu bleiben.

 


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